Wir lösen Ihre Aufgaben.
SOUVERÄN.

Aktuell informiert

19. März 2018

LogiMAT: Teilautonome Systeme im Vormarsch. Experten gehen von einer schrittweisen Weiterentwicklung aus.

Noch ehe sich Menschen von selbstfahrenden Autos durch die Landschaft chauffieren lassen, wird es in Lagern autonome Lösungen geben. Diese These vertrat Marco Prüglmeier, Projektleiter Innovationen und Industrie 4.0 in der Logistik beim Autobauer BMW, im Forum „Transporte und Handhabung – autonom von ganz allein“ am 14. März auf der Messe LogiMAT in Stuttgart. Gleichzeitig warnte er davor, dass im Rahmen von Industrie 4.0-Diskussionen Schreckenszenarien von der „menschenleeren Fabrik“ zu verbreiten. „Es wird ein Miteinander von Mensch und Maschinen geben“, so der BMW-Vertreter.

Roboter sortiert Behälter

In dem vom Fraunhofer IML in Kooperation mit LOGISTIK HEUTE veranstalteten Forum stellte Prügelmeier den Ist-Stand einiger BMW-Projekte in der Intralogistik vor. So setzt der Münchner Autobauer beispielsweise in seinem Dingolfinger Werk zwei umgebaute Routenzüge ein, die störenden Objekten auf ihrer Route selbstständig ausweichen – ohne dass Mitarbeiter eingreifen müssen. Künftig soll eine ganze Flotte dieser Geräte untereinander kommunizieren können, was einen weiteren Schritt in Richtung Autonomie darstellt. Im Werk Leipzig setzt BMW laut Prüglmeier einen „SortBot“ ein. Dieser Roboter sortiert leere Behälter. Und in Wackersdorf übernehmen von BMW und dem Fraunhofer IML entwickelte Smart Transport Robots (STR) den Transport von Rollcontainern (LOGISTIK HEUTE berichtete).

Dezentral noch weit weg

Dass trotz vieler Projekte, die in Richtung autonome Transporte und Handhabung gehen, der Weg zu einem dezentralen System noch „sehr weit“ ist, betonte der BMW-Vertreter aber ebenfalls. Darin war er sich mit Bruno van Wijngaarden vom Intralogistikanbieter Vanderlande Industries einig. „Es wird ein langer Weg kleiner Schritte sein“, sagte der System Architect des niederländischen Unternehmens. Guido Follert, Abteilungsleiter Maschinen und Anlagen am Fraunhofer IML, vertrat die These, dass es in den Firmen noch viele Jahre eine übergeordnete Architektur unter den Subsystemen geben werden. Eine der größten Herausforderungen von BMW in Sachen Industrie 4.0 ist der Mangel an offenen Schnittstellen zwischen den einzelnen intralogistischen Systemen der verschiedenen Anbieter. Innovationsexperte Prüglmeier setzt seine Hoffnung auf Arbeitskreise in den Verbänden VDA und VDMA, wo aktuell diese Problematik diskutiert wird. Dabei gehe es nicht etwa um die Offenlegung von SLAM-Algorithmen durch Anbieter, betonte Prüglmeier. Aber Hersteller, die nicht willens seien, auf der obersten Ebene Schnittstellen zu öffnen, hätten künftig schlechte Karten bei Projekten zum Zug zu kommen. Roman Schnabl, Director Product Management beim Intralogistikanbieter Knapp, sagte, dass im Prinzip nichts gegen eine Offenlegung der Schnittstellen spreche. Jedoch sei das Ganze nicht trivial und Zugriffe auf das System von extern könnten die Maximalleistungen schmälern.

Konstanter Einsatz

Apropos Leistung: Innovationsexperte Prüglmeier ist sich bewusst, dass in manchen Tätigkeiten im Lager aktuell der Mensch noch schneller ist als der Roboter. Das spreche aber nicht generell gegen den Einsatz der Maschinen. Sie könnten konstant und auch unter schwierigen Arbeitsbedingungen eingesetzt werden. Auf die Frage, ob starre Shuttlesysteme noch langfristig eine Zukunft haben im Vergleich zu mobilen Transportrobotern, waren sich sowohl die Anbieter als auch der Vertreter des Autobauers einig. Es werde ein Nebeneinander beider Systeme geben. Kleinteile seien beispielsweise immer noch gut in einem Automatischen Kleinteilelager (AKL) aufgehoben. In der Montage seien hingegen fahrerlose Transportsysteme interessant.

Jobs fallen weg

Eine der größten Herausforderungen für Unternehmen, die vollautonomen Systeme und Robotics einsetzen, ist der Wegfall von Arbeitsplätzen. Hier geht es vor allem um Tätigkeiten, die mit einer hohen Routine ablaufen. BMW-Vertreter Prüglmeier zitierte in diesem Zusammenhang die Studie „Arbeitsmarkt 2030“ des Bundesarbeitsministeriums. Darin heißt es, dass 40 Prozent der Jobs ein Substitutionspotenzial haben. Unternehmen suchen daher laut Prüglmeier Mitarbeiter mit Wissen im Bereich Digitalisierung. IT-, Netzwerk und Datenexperten hätten gute Perspektiven. Gefragt seien aber auch steuernde, kreative Tätigkeiten und Querschnittswissen.

[ Quelle: www.logistik-heute.de ]

zurück...
Unternehmen Netzwerk Praxis